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Fotocredits: WORLDSPORTPICS.COM/MARTIN WAICHMAN

Honamas besiegen Oranje klar mit 3:1 / Argentinien nun im Viertelfinale

Den Europameister komplett dominiert

30. July 2021

Die DHB-Herren haben einen Tag nach der unerwarteten Niederlage gegen Südafrika ihr anderes Gesicht gezeigt. Mit der mit Abstand besten Turnierleistung ließen die Honamas Europameister Niederlande fast über die gesamte Spielzeit kaum zu Chancen kommen, dominierten die Partie fast nach Belieben und gewannen die meisten Zweikämpfe. Durch Tore von Niklas Wellen, Constantin Staib und Timm Herzbruch stand es bis drei Minuten vor Schluss auch in der Höhe verdient 3:0, ehe Hertzberger noch der Ehrentreffer gelang. Der Sieg ließ das Team noch auf Platz zwei der Gruppentabelle springen, so dass nun Argentinien, der Olympiasieger von 2016 der Gegner im Viertelfinale sein wird.

Ich habe hier heute einen Europameister gesehen, dessen Stärken das Kreieren von Chancen ist, der aber so gut wie keine Chancen hatte. Diesen Zahn musst du ihnen erstmal ziehen.

Bundestrainer Kais al Saadi

Viertelfinal-Teilnahme war vorher schon fix

Durch das 4:4 im letzten Gruppenspiel zwischen Kanada und Südafrika stand die Viertelfinal-Teilnahme der Honamas im Vorfeld der Partie schon unumstößlich fest. Je nach Resultat wäre zwischen Platz vier und Platz zwei alles möglich gewesen. Doch die DHB-Herren hatten aber zuvor klar gesagt, dass es in der Begegnung in allererster Linie darum ging, sich wieder in gute Form zu spielen.

Die Deutschen sehr fokussiert von Beginn an, verteidigten ganz entschlossen. Und dann hatte Niklas Wellen nach starkem Solo über die Mitte die erste Großchance, die Pirmin Blaak in höchster Not vereitelte. Mats Grambusch holte aber direkt im Anschluss die erste Ecke (2.), die Lukas Windfeder aber zu unplatziert aufs Tor brachte, so dass Blaak keine Mühe hatte. Im Gegenkonter arbeitete Christopher Rühr stark zurück, so dass er einen Schlag von Billy Bakker übers Tor blocken konnte.

Die Deutschen blieben am Drücker. Constantin Staib wollte mit dem Rücken zum Tor Blaak mit einem Drop-Schuss durch die Beine überraschen, aber der Keeper-Routinier reagierte ganz stark (5.). Oranje dann mal mit einer Pressingphase, die die Deutschen aber durch stabiles Verteidigen ohne Chance gegen sie überstanden. Florian Fuchs setzte sich gut durch gegen Drei, konnte zu Wellen durchstecken, der aus der Drehung auf den langen Pfosten passte, aber da keinen Anspielpartner fand (9.).

Deutschland mit klarer Dominanz und die wurde belohnt, als Martin Häner einen harten Ball in den Kreis brachte und Niklas Wellen den Ball über Blaak hinweg zum 1:0 (10.) unter die Latte stach. Die Honamas weiter ganz stark. Rühr steckte zu Wellen durch, dessen hoher Rückhandball zu Staib im Rückraum gerade noch abgefangen wurde. Und dann erneut Konter auf Wellen, dessen Vorhandschuss Blaak mit Glanzparade gerade noch entschärfen konnte (13.). Stadler hatte in der 14. Minute die erste Ballberührung bei einer halbhohen Flanke in den Kreis, die er zur langen Ecke klärte.

Weiter dominant, aber nicht mehr so viele Chancen

Christopher Rühr sah im zweiten Viertel früh Grün. In Unterzahl brachte ein Ballverlust von Zwicker Routinier Jeroen Hertzberger in gute Abschlusschance am rechten Pfosten, aber Stadler parierte glänzend (18.). Wieder komplett übernahmen die Honamas sofort erneut die Kontrolle. Rührs halbhohe Flanke von rechts vor Tor traf leider nur den mitgelaufenen Müller am Bein. Fuchs kassierte dann für Meckern eine unnötige Grüne Karte (21.). Doch die Deutschen verteidigten erstklassig, ließen nichts zu.

Die Entschlossenheit des DHB-Teams weiter ganz groß. Herzbruch traf beim Versuch eine Ecke zu ziehen, den Gegenspieler zu hoch. Dennoch weiter die Deutschen nur im Vorwärtsgang, hatte das Match gut im Griff. Die Niederländer in der ersten Hälfte ohne Idee, wie man die deutsche Abwehr aushebeln könnte.

Wir haben vor allem auch immer in den richtigen Momenten die nächsten Tore gemacht, um den Flow von der ersten bis zur letzten Minute halten zu können.

Timur Oruz

Das DHB-Team auch zu Beginn des dritten Viertels mit Kontrolle. Ein langer Ball in den Kreis von Oranje konnte von der Innenverteidigung noch nach außen weggeklärt werden (32.). Und ein Konter über Herzbruch endete am Kreisrand der Niederländer. Johannes Große blockte hinten einen Schrubber von Pruijser über das Tor (34.). Blaak hielte einen Stecher von Staib (36.). Fuchs wurde von Mink van der Weerden im allerletzten Moment im Kreis noch vom Ball getrennt (38.).

Ein schlechter Pass von Hauke am eigenen Kreis brachte Thijs van Dam in Schussposition, der aber links am Tor vorbeischlug. Auf der anderen Seite holte Fuchs die zweite deutsche Ecke (40.), die Blaak gegen Häner hielt. Wellen hätte am Pfosten per Volley das 2:0 machen können, verfehlte den Ball aber. Doch das Tor fiel nur Sekunden später, als Niklas Bosserhoff einen Befreiungsschlag der Niederländer am linken Kreisrand abfing und in die Mitte auf Constantin Staib passte, der recht artistisch den Ball ins Tor abtropfen ließ (41.).

Toller Konter über Mats Grambusch, der im Kreis mit der Rückhand abschloss, aber Blaak lenkte die Kugel über das Tor (44.). Doch danach die nächste Ecke für die Honamas, die aber nicht zum Erfolg führte.

Niederlande nur in den Schlussminuten mit Chancen

Es ging mit dem 2:0 ins letzte Viertel, in dem auch die Deutschen weiter klar dominierten. Niklas Wellen bekam dann einen Ball von Lars Balk voll auf die Hand (49.), musste draußen behandelt werden. Balk musste kurz darauf wegen Meckerns auf die Bank (51.).

Dann hatte Zwicker eine Großchance am linken Pfosten, doch Blaak warf sich in den Schlag und bekam den Ball an den Kinnschutz, musste trotzdem kurz behandelt werden (52.). Die DHB-Auswahl weiter besser. Fürk stach einen Ball ans rechte Außenbrett des Oranje-Tores (52.). Und dann war es Mats Grambusch, der ganz schnell einen Freischlag selbst ausführte, links in den Kreis eindrang und trotz Fouls gegen sich noch zu Timm Herzbruch passen konnte. Und der Mülheimer nagelte die Kugel argentinisch links oben ins Dreieck zum 3:0 (54.). Ein Ballverlust an der Viertellinie brachte dann aber doch noch das 1:3 (57.), als Jeroen Hertzberger von halblinks den Ball volley unter die Latte knallte – unhaltbar für Stadler!

110 Sekunden vor Ende gab Marcin Grochal eine Ecke für Holland, doch Martin Zwicker nahm dagegen den Videobeweis, weil er der Meinung war, dass er sauber den Ball abgefangen hatte. Man sah im Video, dass Zwicker zuerst am Ball war, aber der Videoschiedsrichter aus Singapur traf die Entscheidung, dass die Ecke Bestand habe. So machte Stadler es wieder gut, hielt die Variante sensationell. Die Niederländer machten in der Schlussphase nochmal Druck, nahmen fünf Sekunden vor Ende nochmal einen Videobeweis für eine Ecke, der aber abgewiesen wurde.

Tore:
1:0    Niklas Wellen (10.)
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-
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2:0    Constantin Staib (41.)
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3:0    Timm Herzbruch (54.)
3:1    Jeroen Hertzberger (57.)
 
Strafecken:
GER 3 (keine Tore) / NED 1 (kein Tor)

Schiedsrichter:
Marcin Grochal (POL) / Adam Kearns (AUS)

Videoschiedsrichter:
Lim Hong Zhen (SGP)

Wir haben hier bislang noch keine zwei Spiele in Folge so stark durchgezogen. Das muss uns jetzt fürs Viertelfinale unbedingt gelingen!

Kapitän Tobias Hauke

Stimmen zum Spiel

Bundestrainer Kais al Saadi: „Die Jungs haben heute ganz stark geschlossen als Team verteidigt. Ich habe hier heute einen Europameister gesehen, dessen Stärken das Kreieren von Chancen ist, der aber so gut wie keine Chancen hatte. Diesen Zahn musst du ihnen erstmal ziehen. Das ist den Jungs ganz stark gelungen. Sie haben sich in alles reingeschmissen, sich gegenseitig geholfen. Und es war dann nur eine Frage der Zeit, dass wir vorn aus unseren Chancen die Tore machen. Ich hatte Indien und Argentinien schon vor langer Zeit als mögliche Viertelfinalgegner prognostiziert. Argentinien ist hier das aggressivste Team. Die zerstören mit viel Kampf deine Spielfreude, bringen ganz viel Feuer auf den Platz. In der heutigen Verfassung sind sie für uns aber schlagbar – wir wollen jetzt unbedingt auch ins Halbfinale!“

Kapitän Tobias Hauke: „Es war nach dem Südafrika-Spiel wahnsinnig gut, dass wir so schnell hier die nächste Challenge hatten. Und die haben wir stark angenommen. Es war vor allem emotional ein ganz starkes Spiel von uns, denn wir wussten ja auch, dass Holland nie viel braucht, um Gefahr zu kreieren. Das war ganz wichtig, vor dem Viertelfinale so ein Spiel zu haben, wo man 60 Minuten den Fokus behalten musste. Da wir schon wussten, dass wir weiter sind, hätte das ja auch zu einem Spannungsabfall führen können. Ich bin schon sehr stolz auf die heutige Teamperformance. Aber ich mahne auch, dass wir bislang nie zwei Spiele in Folge so stark durchgezogen haben. Das muss uns jetzt fürs Viertelfinale unbedingt gelingen.“

Timm Herzbruch: „Das Südafrika-Spiel hat uns einige Probleme klar aufgezeigt und wir hatten uns vorgenommen, genau die Sachen besser zu machen. Und das ist uns zu 100 Prozent gelungen. Die Niederländer hatten im gesamten Spiel kaum Chancen, weil wir sie extrem griffig wegverteidigt haben. Insofern kann ich voller Überzeugung sagen, dass das ein mehr als verdienter Sieg war. Ich freue mich jetzt total auf die K.O.-Phase!“

Timur Oruz: „Das hat heute mega Bock gemacht. Es war eine unfassbar geile Teamleistung. Und wir haben vor allem auch immer in den richtigen Momenten die nächsten Tore gemacht, um den Flow von der ersten bis zur letzten Minute halten zu können. Dieses Feeling müssen wir jetzt in die nächste Partie weitertragen!“

Linus Müller: „Wir hatten uns vorgenommen als richtig geile Einheit aufzutreten, hatten uns mit dem ganzen Team voll auf die Defensive eingeschworen. Das hat super geklappt. Wir Verteidiger sind heute noch nicht einmal dazu gekommen, noch mehr für die Offenisve zu tun, aber die Jungs vorn haben das auch extrem gut gemacht, viel kreiert. Mit solch einer geilen Körpersprache und Spannung macht es unfassbar Bock, hier mit dem Team zu spielen.“