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Olympische Spiele ohne Zuschauer und ohne Medaillengewinn

Tokio 2021 - eine ungewöhnliche Erfahrung

30. December 2021

Noch nie haben Olympische Spiele unter so ungewöhnlichen Umständen stattgefunden. Die weltweite Pandemie zwang das größte Sportereignis der Welt zu einer einjährigen Verschiebung und am Ende musste Tokio 2020 im Sommer 2021 komplett ohne Zuschauer auskommen. Für die DHB-Teams gab es erstmals nach Sydney 2000 dann kein Edelmetall zu gewinnen.

In der beeindruckenden Hockeyanlage direkt an der Tokyo Bay mit ihren zwei nagelneuen Hockeystadien hätten die deutschen Teams nur zu gern mal mit vollen Rängen gespielt, doch aus Schutz für die Gesundheit der Athleten und angesichts der gewachsenen Olympiaskepsis im coronagebeutelten Japan hatten sich das IOC und die Veranstalter im Frühjahr auf Olympische Spiele ohne Zuschauer verständigt. Es sollten für beide DHB-Teams Spiele mit vielen Hochs und Tiefs werden. Schon bei Anreise war sich - wegen der extrem eingeschränkten Vorbereitungsmöglichkeiten - keiner der weltweiten Teilnehmer klar, wie er gerade im internationalen Vergleich dastehen würde.

Danas: Viertelfinal-Blackout verhindert den Griff nach Edelmetall

Die deutschen Damen starteten stark in die Vorrunde. Das 2:1 gegen Großbritannien, den Olympiasieger von Rio 2016, war ein Auftakt nach Maß. Und es sollte so glatt weitergehen. Allerdings waren weder das 2:0 gegen Indien, noch das 4:2 gegen Vize-Weltmeister Irland absolut überzeugend. "Zufrieden, aber es ist immer noch deutlich Luft nach oben", war jedes Mal das Fazit bei den Danas. Und das änderte sich auch nach dem 4:1 über Südafrika nicht, als das DHB-Team längst sicher im Viertelfinale stand.

Und so kam das 1:3 gegen den Top-Favoriten Niederlande zwar im letzten Gruppenspiel zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Das Match hatte für die Play-off-Qualifikation kaum Bedeutung, denn das deutsche Team hätte sehr deutlich gewinnen müssen, um als Gruppensieger einen schwächeren Viertelfinalgegner zu erwischen. Aber die Art und Weise, wie Oranje dominierte, säte Zweifel daran, ob das DHB-Team tatsächlich "dicht dran" am vermeintlich stärksten Team der Welt war.

Und vielleicht war das einer der Gründe, dass dann im Viertelfinale gegen Argentinien die Köpfe nicht frei waren. Wie schon bei der WM 2018 in London scheiterte das bis dahin im Turnier und vorher insbesondere in der FIH Pro League und beim Silber-Gewinn während der EM in Amsterdan so exzellent aufgetretene Danas-Team noch vor der Medaillenrunde bereits im ersten K.O.-Spiel. Gegen den späteren Olympia-Zweiten Argentinien konnte es beim 0:3 nie das Riesen-Potenzial zeigen, das in ihm steckt.

Honamas: Medaille schon vor Augen, aber noch aus der Hand gegeben

Die deutschen Herren starteten weniger glatt ins Turnier von Tokio. Einem 7:1-Auftaktsieg gegen Außenseiter Kanada folgte ein 1:3 gegen den Weltmeister und späteren Olympiasieger Belgien, das relativ früh Ernüchterung brachte. Doch mit einem 5:1 über die hoch gehandelten Briten war das schnell wieder behoben. Die fehlende Konstanz zeigte sich jedoch schon im nächsten Match, als man von Underdog Südafrika eine 3:4-Niederlage kassierte, mit der niemand gerechnet hatte. 

Doch die Honamas holten sich das Momentum zurück, fertigten die Niederlande im letzten Gruppenspiel mit 3:1 verdient ab. Und dieses Mal hielten die Schützlinge von Kais al Saadi den Fokus, kamen auch im Viertelfinale gegen Argentinien, den Olympiasieger von Rio 2016 zu einem überzeugenden 3:1 und verlängerten damit ihr Abonnement auf die olympische Medaillenrunde um weitere vier (fünf)  Jahre.

Im Halbfinale hatte dann nach einem Match auf Augenhöhe Australien das bessere Ende für sich. Für die deutliche Mehrzahl an Chancen und Ecken konnte sich das deutsche Team nichts kaufen. Dass am Ende nicht wie in Rio eine Medaille in den Händen der DHB-Aktiven lag, hätte nach der Anfangsphase im Bronzematch gegen Indien wohl niemand erwartet, denn die Honamas spielten die Inder an die Wand, führten bereits früh mit 4:1 und konnten Bronze dann doch nicht festhalten, weil der Wille der Inder, nach Jahrzehnten der Abstinenz bei Olympia auf dem Treppchen zu stehen, auch von diesem klaren Rückstand nicht zu brechen war. Am Ende siegte Indien 5:4 und hinter ließ beim DHB-Team eine riesige Enttäuschung.