Nike Lorenz: „Bin als Mensch mehr als nur Sportlerin“

Nike Lorenz und ihre neue Rolle im Führungsteam der Danas

„Bin als Mensch mehr als nur Sportlerin“

23. July 2021

Es war eine kleine Sensation, als der DOSB am Donnerstag mitteilte: „Das IOC hat einem gemeinsamen Antrag des DOSB und DHB zugestimmt. Die Kapitänin der Damen-Nationalmannschaft darf beim Olympischen Turnier die Regenbogenbinde tragen und damit ein Zeichen für Diversität setzen“. Plötzlich stand die im Fokus, die es angestoßen hatte: Nike Lorenz wurde von vielen deutschen und internationalen Medien angefragt, zitiert, vorgestellt.

Ich habe da eine sehr meinungsstarke Truppe, die sich äußert und für das kämpft, was sie vertritt. Ich bin sehr froh, dass der DOSB uns unterstützt hat und Nike die Möglichkeit gegeben hat, sich beim IOC dafür einzusetzen. Dass sie es geschafft hat, die Binde tragen zu dürfen, finde ich super stark.

Bundestrainer Xavier Reckinger

Dabei ist die 24-Jährige Mittelfeldspielerin von RW Köln noch gar nicht lange in diesem Amt. Noch bei der Europameisterschaft im Juni rotierten die Danas die Binde. Die Entscheidung für eine einzige Kapitänin bei den Spielen fiel im Mannschaftsrat. „Der Bundestrainer hat es vorgeschlagen und bei uns Mädels bestand Einigkeit“, erinnert sich Nike. „Ich habe es mega gern angenommen, weil ich in den Teams, in denen ich spiele, gewohnt bin, Verantwortung zu übernehmen.“

Xavier Reckinger erklärt sein Ansinnen so: „Ich wollte die Aufgaben in der Führung der Mannschaft gern auf unterschiedliche Schultern verteilen. Dazu gehört auch das Tragen der Kapitänsbinde, was auf dem Feld natürlich wichtig ist.“ Und auch Lorenz sagt: „Ich finde es cool in diesem Team, denn wir haben nicht nur ein Gesicht, sondern viele tolle Charaktere und interessante Stimmen, die uns repräsentieren.“

In Sachen Körpersprache ist Lorenz fraglos eine ideale Besetzung als Kapitänin. Die gebürtige Berlinerin mit frühen Wurzeln in Wiesbaden bringt mit ihrer kompromisslosen Spielweise und Zweikampfstärke ohnehin immer Emotionen auf dem Platz, reißt ihre Mitspielerinnen mit. Dass sie jetzt auch direkte Ansprechpartnerin für die Schiedsrichterinnen ist, kommt als neue Aufgabe dazu, an die sich gewöhnen wird.

Das Regenbogenbinden-Thema hat nicht nur positive Resonanz ausgelöst. Es gibt auch Stimmen, die sagen, die Aktiven sollten sich auf den Sport konzentrieren. Auf die Frage, was sie solchen Einwänden entgegensetzt, ist Nike Lorenz ganz klar: „Wir sind professionell genug, so ein Thema vor dem Turnier zu steuern, haben das im Griff. Und ich bin einfach als Mensch mehr als nur Sportlerin – und so agiere ich. Man muss sich auch selbst immer als ganzer Mensch im Blick haben, sonst dreht man durch!“

Den Bundestrainer weiß sie bei dieser Thematik absolut hinter sich. Xavier Reckinger: „Die Mannschaft lebt dieses Thema. Ich habe da eine sehr meinungsstarke Truppe, die sich äußert und für das kämpft, was sie vertritt. Ich bin sehr froh, dass der DOSB uns unterstützt hat und Nike die Möglichkeit gegeben hat, sich beim IOC dafür einzusetzen. Dass sie es geschafft hat, die Binde tragen zu dürfen, finde ich super stark. Und das wird sich auf die Leistung der Mannschaft ganz sicher nicht negativ auswirken.“