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Fotocredits: Ariane Schirle / DHA

Viktoria Huse - über das Leben als Sportsoldatin

"Dienstauftrag Medaillen gewinnen"

04. February 2022

„Stillgestanden, Augen gerade aus! Zur Meldung Augen rechts! Unteroffizier Huse meldet sich zum Dienst!“ – wer sich den Dienst von Vize-Europameisterin Viktoria Huse als Sportsoldatin bei der Bundeswehr so vorstellt, würde sich über die Realität wundern.

Wir treffen die Lehramtsstudentin in der Kaserne Appen in Schleswig-Holstein gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten Oberstabsbootsmann Lutz Vollrath, dem Leiter der Sportfördergruppe Hamburg, und Oberstleutnant Jürgen Bredtmann, zuständig für die Informationsarbeit im Landeskommando Hamburg. Und es geht absolut locker zu - High Five zur Begrüßung und ein vertrautes Du, statt funktionaler Kasernenton.

„Ich war jetzt schon seit einem Vierteljahr nicht mehr hier“, grinst Viki Huse. „Ich muss mal in meinen Spint schauen, was da so hängt.“ „Die AthletInnen sind wirklich nur anlassbezogen hier in der Kaserne“, erklärt Lutz Vollrath. „99 Prozent des Austausches läuft über Telefon und mail. Der Sport soll absolut im Vordergrund stehen – wir wollen den Sportlern und Sportlerinnen den Rücken dafür freihalten.“ Huse ist seit 2018 bei der Bundeswehr als Sportsoldatin, hat im Herbst gerade in Hannover den Lehrgang zur Unteroffizierin absolviert. Auf dem Programm dort: Gruppen Führen.

„Und Schießen?“, wollen wir wissen. „Ja, ein Tag Schießen war auch dabei, aber das mit der Waffe ist nicht so meins“, gibt die 26-Jährige zu. „Und das ist auch völlig in Ordnung“, springt ihr Jürgen Bredtmann zur Seite. „Der Auftrag unserer SportsoldatInnen ist ja auch ein ganz anderer als der der normalen Soldaten. Er lautet: Medaillen gewinnen! Beim Schießen geht es eher ums Lernniveau ‚gutes Ende und böses Ende der Waffe‘. Die Lehrgänge dienen vornehmlich dem Kennenlernen der Kameraden und unserer Strukturen.“

Fotocredits: Ariane Schirle / DHA

"Das Nonplusultra im deutschen Leistungssportsystem"

Das mit dem Medaillen Gewinnen hat für Viktoria Huse bei der Europameisterschaft in 2021 gut geklappt, bei Olympia nicht. „Und sie muss deshalb jetzt keine Strafrunden laufen“, beruhigt Lutz Vollrath mit einem Augenzwinkern. „Aber im Vordergrund steht immer, dass, wer von uns gefördert wird, auch ein Olympia-Aspirant sein muss.“ Der Verlust des A-Kaderstatus beim Fachverband beendet in der Regel also auch den Dienst bei der Bundeswehr. „Die Athleten können dann noch eine Weile ‚in Grün‘ bei uns auslaufen lassen, wenn sie das möchten“, so Vollrath.

Wer einen der begehrten Plätze in der Sportförderkompanie erhalten soll, schlägt der Deutsche Hockey-Bund der Bundeswehr vor. Jeder olympische Fachverband hat eine bestimmte Anzahl für seine AthletInnen mit Olympia-Perspektive. Die Anzahl der Plätze ist zwar mit dem DOSB verhandelbar, aber die Begehrlichkeiten sind hoch.

Das weiß auch DHB-Sportdirektor Dr. Christoph Menke-Salz. „Die Förderung durch die Bundeswehr schafft optimalen Fokus auf die Leistungssportkarriere, und seitdem eine duale Karriere mit Studium an einer Uni möglich ist, ist es im deutschen Leistungssportsystem das Nonplusultra. Ich bin ganz ehrlich, wir hätten gern noch mehr Plätze dort.“

Fotocredits: Ariane Schirle / DHA

"Für mich war es eine Win-Win-Win-Situation!"

Bei Olympia in Tokio waren es bei den Herren Niklas Bosserhoff, Johannes Große, Linus Müller, Justus Weigand und Constantin Staib, die Bundeswehr gefördert waren. Bei den Damen kam Viktoria Huse noch dazu. Über das gesamte Team Deutschland gesehen, sind die Zahlen noch beeindruckender. Fast jede zweite Medaille wurde von einer Sportsoldatin oder einem Sportsoldaten gewonnen. Die Bundeswehr verfügt über 15 Sportfördergruppen mit 850 Förderplätzen. Hockey, Rudern, Beachvolleyball, Segeln und Wasserball sind dabei der Sportfördergruppe in Appen, kurz vor den Toren von Hamburg, zugeordnet.

Viki Huse hat den Schritt zur Bundeswehr nie bereut: „Ich bin ja erst spät eingestiegen – nicht wie viele direkt nach dem Abitur. Es war für mich eine Win-Win-Win-Situation – Spaß haben an der Leistungssportkarriere, daneben mein Lehramtsstudium und zudem finanziell abgesichert zu sein.“ Bis Olympia 2024 würde sie gern weiter dabeibleiben. Dafür müsste sie die Dienstzeit, die Sommer 2022 endet, nochmal verlängern. Und natürlich spielt eine Rolle, inwieweit der neue Damen-Bundestrainer Valentin Altenburg mit der passstarken Abwehrspielerin plant. „Der Verband entscheidet, ob die Förderung weiter Sinn macht“, weiß Huse.

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Neues Pilotprojekt: Sport studieren als SportsoldatIn

Die Universität der Bundeswehr bietet schon lange das Studium in vielen Fächern an. Dieses Studium ist allerdings für normale SoldatInnen gedacht. Eine Verpflichtung über 3,5 Jahre ist dafür nötig. Neu im Angebot bei der Bundeswehr als Pilotprojekt ist jetzt ein Sportstudium für Sportsoldaten, was also auch für HockeyspielerInnen interessant sein könnte.

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